Programm Kurdische Filmtage

Von 10. Februar bis 26. März 2017 veranstalten der kurdische Verein in Bremen, Birati e.V., und das Kurdistan Solidaritätskomitee Bremen unter dem Titel Leben und Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung in loser Folge und an wechselnden Orten die Reihe Kurdische Filmtage. Den thematischen Schwerpunkt bildet dabei die Befreiung der Frau.
Wir wünschen allen Besucher*innen, dass sie durch die Veranstaltungen viele Anregungen erhalten und freuen uns, sollten ihre/eure Freunde ebenfalls Interesse an den Kurdischen Filmtagen haben – Danke für’s Weitersagen!

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Do., 09.03.2017, Birati e.V., Friedrich-Ebert-Str. 20, 19 Uhr
DOKU: Sozdar – Eine, die ihr Versprechen hält

R: Annegriet Wietsma, NL 2007, 71 Min, OF/deuUT

3-09

Als zwölfjährige Kurdin weigerte sie sich, verheiratet zu werden. Dreißig Jahre später kämpft Nuriye Kesbir immer noch, aber jetzt als Anführerin einer Guerilla-Bewegung.
Der Doku­men­tar­­film zeichnet ein offen­herziges Bild der Hintergründe und Motive einer der Führerinnen der kurdischen Widerstandsbewegung PKK. Er folgt Nuriye Kesbir (Kampfname ›Sozdar‹, was bedeutet: eine, die ihr Versprechen hält) während ihrer Reise, die in einem niederländischen Gefängnis beginnt und in den Partisanenlagern in den umkämpften Bergen des Nordirak endet.
Der Film schildert ebenso Verfolgung von Staaten­losen in »westlichen Demokratien« wie den Kampf einer Frau um ihre Freiheit sowie die Freiheit von Frauen, Kurden und allen Menschen – im Widerstand gegen jede Unterdrückung durch patriarchale Strukturen und staatliche Repression.

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So., 19.03.2017, Grüner Zweig, Erlenstr. 31, HB-Neustadt, 19 Uhr
DOKU: Her War – Women vs. ISIS

R: Anastasia Trofimova, RU 2015, 52 Min, kurmanci/engUT

3-19

Die bisher vielleicht interessanteste Dokumentation zum Innenleben der YPJ (Frauenselbstverteidigungseinheiten) in Rojava (kurd. »der Westen« Kurdistans/Nordsyrien).
Ein Team von Russia Today verbrachte 2015 drei Wochen in einem Ausbildungslager für junge, hauptsächlich kurdische Frauen, die teils drastische Brüche mit ihrem bisherigen Leben schildern und einen guten Einblick in ihre Motivationen geben. Ebenso werden die Unterschiede in der militärischen Ausbildung zwischen YPJ und konventionellen Armeen deutlich.

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So., 26.03.2017, Freiraum, Helgolander Str. 22, HB-Walle, 18 Uhr
DOKU: Den Sieg sichern – Aufbau des Gesundheits­zentrums in Kobanê


R: Mark Zorko, DE 2015, 53 Min, deuOF

3-26

Der Dokumentarfilm begleitet die Entstehung des ersten neu er­richteten Bauprojekts im nordsyrischen Kobanê. Jener Stadt, deren Verteidigung gegen die monatelangen und massiven IS-Angriffe zum Sinnbild Rojavas geworden ist. Kobanê wurde zwar im Januar 2015 befreit, doch sind 80 Prozent zerstört, ziviles Leben ist kaum mehr möglich.
Seit Mai 2015 reisten – türkischen und irakischen Embar­gos zum Trotz – neun aufeinander folgende Bau­brigaden ins Kriegsgebiet, um konkrete Aufbauhilfe zu leisten. Zusammen mit einheimischen Arbeitern haben 177 Brigadist*innen aus 10 Ländern in wenigen Monaten ein neues Gesundheitszentrum für die Bevölkerung von Kobanê errichtet.
In der Verwüstung, die die Angriffe auf Rojava hinterlassen haben, ist das medizinische Zentrum nicht allein lebensrettend für die zahlreichen Verletzten und bedeutend für die Versorgung von Schwangeren, Kindern, Alten und Kranken. Besonders die im Geiste der Solidarität und mit Freude erbrachte Aufbauleistung wird vor Ort als große Stärkung, Anteilnahme und gelebte Solidarität empfunden.
Der Film ist als DVD in Buchhandlungen erhältlich (ISBN 978-3-88021-411-8). Das Projekt wurde koordiniert vom internationalen revolutionären Bündnis ICOR; http://www.icor.info.


Bereits stattgefunden haben:

Fr., 10.02.2017, Kukoon, Buntentorsteinweg 29, HB-Neustadt, 19 Uhr
Klänge des Widerstandes, Klänge des Lebens
MUSIKVIDEOS aus der kurdischen Befreiungsbewegung + LIVEMUSIK mit Muzika Azadî

2-10-1 2-10-2

Musik spielt in der kurdischen Geschichte in allen vier Teilen eine große Rolle. Während die – bedrohte – Tradition der Dengbêj-SängerInnen vor allem eine Art kulturelles Gedächtnis der mündlich basierten Kultur darstellt, haben die aufständischen und revolutionären Bewegungen Kurdistans auch Einflüsse ausserhalb ihrer Region in ihren musikalischen Kosmos integriert. Wir zeigen Ihnen/ Euch zum Auftakt der Filmreihe ausgewählte kurdische Musikvideos und erzählen die dazugehörigen Geschichten.
Anschliessend kurdische Livemusik von Muzika Azadî aus Bremen.

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Do., 16.02.2017, Paradox, Bernhardstr. 12, HB-Viertel, 19 Uhr
DOKU: Der Freiheitskampf der Kurdinnen

R: Mylène Sauloy/arte, FR 2016, 53 Min, deuSynchF

2-16

Sie kamen von überall her, aus Kobanê, aus Türkisch-Kurdistan und dem Irak – hunderte bewaffneter Frauen kamen 2014 ins irakische Sinjar-Gebirge, um die Jesid*innen vor den Massakern des IS zu retten. Heute bilden jesidische Frauen, die zuvor nicht einmal alleine vor die Tür gehen durften, autonome, weibliche Milizen nach dem Vorbild der syrisch-kurdischen Fraueneinheiten YPJ. Ebenso wie viele Frauen anderer ethnischer oder religiöser Gruppierungen des Nahen und Mittleren Ostens sind auch sie Erbinnen einer Freiheits­bewegung, die vor beinahe 40 Jahren in der Türkei entstand.
Im Hauptquartier der kurdischen Freien Frauen in den Kandil-Bergen des Nordirak wird seit den 90er Jahren dafür gearbeitet, dass Frauen die Vorkämpferinnen einer freien Gesellschaft werden. Heute hat diese Bewegung ein ambitioniertes Ziel vor Augen: Sie wollen die Geschichte des Nahen Ostens verändern, indem sie in Nordsyrien eine demokratische, auf Gleichberechtigung der Geschlechter basierende Gesellschaft aufbauen. Seitdem sich die Frauen organisiert und ihre Mitsprache durchgesetzt haben, beschreiten sie beispielgebende Wege heraus aus der Bevormundung durch Patriarchen und Clanchefs.
Doch die kurdische Frauenbewegung hat mächtige Gegner. Ihre Gründer­in und Ikone, Sakine Cansız, war vor vier Jahren zusammen mit Fidan Doğan und Leyla Şaylemez in Paris heimtückisch erschossen worden. Im Film kommen Diyarbakırs Bürgermeisterin Gültan Kışanak und Wegbegleiterinnen von Cansız zu Wort. Aktuell werden auch sie vom türkischen Staat verfolgt, während in Paris das Verfahren gegen den Mordverdächtigen Ömer Güney um Jahre verzögert wurde. Wohl deshalb, weil starke In­dizien dafür vorliegen, dass er im Dienste des türkischen Geheimdienstes mordete. Hintergründe und Auftraggeber könnten jedoch für immer verborgen bleiben; wenige Wochen vor dem für Januar anberaumten Prozessbeginn verstarb Güney unter mysteriösen Umständen in französischer Untersuchungshaft.

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Mi., 22.02.2017, Kukoon, Buntentorsteinweg 29, HB-Neustadt, 19 Uhr
Interviewgespräch & Diskussion: Erfolge und ­Widersprüche der Revolution in Rojava

2-22

Seit mehr als fünf Jahren finden in Rojava inmitten des Krieges grundlegende gesellschaftliche Veränderungen statt. Mit unserem Gast, einer jungen Frau, welche die letzten anderthalb Jahre in Rojava verbracht hat, möchten wir über die Erfolge aber auch Widersprüche der Revolution in Rojava sprechen. Wie ist die aktuelle Situation vor Ort? Wie geht der Aufbau der Selbstverwaltung voran? Was sind die Schwierigkeiten, wo gibt es Widersprüche, wo hoffnungsvolle Entwicklungen? Wie können wir Rojava unterstützen und was können wir für uns hier daraus lernen?

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SPENDENAUFRUF: FAMILIEN-PATENSCHAFTEN

Cizre, 02. März 2016, Kurdische Familie vor ihrem von türkischen Kräften zerstörten Haus

Cizre, 02. März 2016, Kurdische Familie vor ihrem von türkischen Kräften zerstörten Haus

Dringender Aufruf zur Nothilfe für Kurdistan:

Aufgrund der vom türkischen Staat, durch die meist völlige Zerstörung ganzer Städte in den mehrheitlich kurdischen Provinzen, verursachten Notsituation mit allein 500.000 Binnenflüchtlingen sowie der staatlichen Zerschlagung ziviler Hilfsstrukturen, rufen wir dringend dazu auf, Hilfspatenschaften für notleidende Familien in Kurdistan zu übernehmen.
Weitere Informationen bei Heyva Sor a Kurdistanê e.V., dem 1993 in Bochum gegründeten Kurdischen Roten Halbmond: www.heyvasor.com/de/xwiskubira

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Veranstaltungsorte:
Birati e.V., Friedrich-Ebert-Str. 20, HB-Neustadt
Freiraum, Helgolander Str. 22, HB-Walle
Grüner Zweig, Erlenstr. 31, HB-Neustadt
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, HB-Neustadt
Paradox, Bernhardstr. 12, HB-Viertel

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Veranstaltet von
Birati e.V., Friedrich-Ebert-Str. 20, HB-Neustadt
und 
Kurdistan Solidaritätskomitee Bremen
soku-bremen.wordpress.com
solikomitee-kurdistan@riseup.net