Lesetipp: „Rojava kennen und lieben lernen. Ein politischer Landesführer“ von Perspektive Rojava/Solidaritätskomitee Münster

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Das Münsteraner Kurdistan-Solidaritätskomitee Perspektive Rojava hat im Oktober eine Broschüre im A6-Format herausgegeben, die auf 79 Seiten Rojava aus folgenden Blickwinkeln vorstellt:

Vom Arabischen Frühling zur Demokratischen Föderation Nordsyrien – Rojava ist die Geschichte des kurdischen Widerstands in Syrien

Menschenrechte & Demokratie – Die Idee des Demokratischen Konföderalismus und wie politische Selbstverwaltung in Rojava funktioniert

Die Theorie der Rose – Geschlechterbefreiung und das Recht auf Selbstverteidigung

Kooperation statt Kapitalismus – Wirtschaft, Ökologie und das Gesundheitssystem in Rojava

Bildung für Alle! – Schulen, Akademien und Universitäten sind die Schlüssel einer neuen Gesellschaft

Afrîn – Krieg. Besatzung. Widerstand

Deutsche Panzer, deutsches Geld… – Was der Krieg gegen Rojava mit der deutsch-türkischen Freundschaft zu tun hat

Die Karten neu mischen… – Warum kritische Solidarität mit der PKK?

Ein Anhang führt Lesestoff, Online-Informationsquellen und Audio- und Videolinks auf und nennt Möglichkeiten, die Revolution in Rojava finanziell zu unterstützen.

25 Abbildungen zeigen Fotos von Menschen in Rojava,  Landkarten der Region, eine Grafik mit dem komplexen System der Selbstverwaltung und eine Übersicht über die wichtigsten Zulieferunternehmen für den deutschen Kampfpanzer Leopard-2, mit dem die Türkei Krieg gegen Afrin führt.

In der Einleitung („Rojava – irgendwie schon mal gehört? – Warum wir diese Broschüre für dich gemacht haben“) schreiben die Herausgeber*innen zu ihrer Motivation: „Weil wir glauben, dass die Welt ein kleines Stück gerechter sein wird, wenn Rojava nicht nur eine Episode in der Geschichte des Mittleren Ostens bleibt und weil wir davon überzeugt sind, dass dieses Modell zu einer gerechteren Verteilung von politischer Macht und gesellschaftlichem Reichtum führen wird, wenn es in der Welt Schule macht, werden wir hier nicht abwägen, relativieren oder uns um eine Position herumdrücken, wie das sonst so oft üblich ist. Diese Broschüre ist ganz klar parteiisch (…) in dem Sinne, dass wir uns entschieden haben, für die Selbstbestimmung und Freiheit derjenigen Partei zu ergreifen, die Rojava aufbauen und verteidigen.“

Sie können die Broschüre zum Selbstkostenpreis bei der Münsteraner Gruppe bestellen oder als PDF herunterladen, und Sie finden sie auf unserem Büchertisch, mit dem wir hin und wieder bei Veranstaltungen präsent sind. Durch die komprimierte Darstellung, das Format und den kleinen Preis ist sie gut geeignet, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen – aber auch, um sie Interessierten in die Hand zu drücken, die nicht gleich ein ganzes Buch lesen wollen: eine knappe Einführung in die wesentlichsten Punkte und dabei ganz aktuell.

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Mi, 14.11. 18:00 Uhr Vortrag und Diskussion im Kukoon: „Jineologie, die Wissenschaft der Frauen, der Gesellschaft und des Lebens“

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Ein Bild der kurdischen Künstlerin und JINHA-Journalistin Zehra Dogan, die wegen ihrer Bilder in der Türkei inhaftiert ist.

Heute eine Ankündigung zu einer Veranstaltung, die nicht vom Solikomitee, sondern von der Gruppe Feministisches Bildungstreffen ausgerichtet wird:

Jineologie: Der erste Schritt zur richtigen Soziologie

Die kurdische Frauenbewegung hat eine neue Wissenschaft gegründet: die Jineologie, auch die „Wissenschaft der Frauen, der Gesellschaft und des Lebens“. Jineologie kritisiert die positivistischen, patriarchalen und kapitalistischen Denkweisen in den westlichen Wissenschaften und Gesellschaften. Sie versucht, mit dem entwerteten Wissen der Frauen ein freies demokratisches Leben in Vielfalt und Verbundenheit aufzubauen.

Die kurdische Frauenbewegung weckt Interesse durch ihr Konzept der Selbstverteidigung, den erreichten Organisierungsgrad und durch ihre langjährigen praktischen und politischen Erfahrungen.

Im Zusammenhang mit der kurdischen Frauenbewegung ist in letzter Zeit oft auch von Jineologie und der Wissenschaft der Frauen die Rede – doch es ist noch wenig bekannt, worum es sich dabei handelt. Weiterlesen

„Was gehen uns die Kurden an?“ – Neues Buch von Kerem Schamberger: „Die Kurden. Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion“

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Im September hat der politische Aktivist und Kommunikationswissenschaftler Kerem Schamberger sein erstes Buch veröffentlicht, zusammen mit dem Journalisten und Professor für Kommunikationswissenschaft Michael Meyen: „Die Kurden. Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion“. Wir haben das Buch jetzt gelesen und empfehlen es zur Lektüre.

„Was gehen uns die Kurden an?“ Das fragt Kerem Schamberger gleich mit der ersten Kapitelüberschrift – und diese Frage zu beantorten, ist das Hauptanliegen des Buches.

Auf 240 Seiten nähert er sich der Antwort aus mehreren Richtungen: Weiterlesen

Erdogan not welcome: Freitag um 9:00 fahren Busse vor dem Cinemaxx Bremen am Hbf nach Berlin zur Demo!

Aufruf und Demoroute auf der Kampagnenwebsite Erdogan not welcome.

Und in Bremen ruft der Frauenrat Sêvê zu einer Kundgebung gegen den Erdogan-Besuch auf: Heute, am 26.9., um 16 Uhr vor dem Hauptbahnhof.

Widerstand kostet Geld – die Informationsstelle Kurdistan (ISKU) bittet um Spenden für die Finanzierung der Demo am Freitag:

Im Rahmen der Erdogan-Not-Welcome Demonstrationen in Köln und Berlin entstehen leider auch Kosten (für den Druck von Plakaten und Flyern, den Bühnenwagen, Transparente, das Mieten von Lautsprecherwägen etc.). Wir würden uns deshalb freuen, wenn ihr uns auf unten stehendes Konto mit einem Beitrag finanziell unterstützen könntet und auch andere Einzelpersonen und Gruppen nach Unterstützung fragen würdet. Jeder Beitrag hilft!

Kontodaten:

 

Informationsstelle Kurdistan

Postbank

IBAN: DE42370100500003968506. BIC: PBNKDEFF

Stichwort: Not-Welcome

Erdogan not welcome – Aufruf zur Protestdemo am 29.9. in Berlin

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Die Bundesregierung will Erdogan einen Staatsempfang bereiten, mit militärischen „Ehren“ und einem Staatsbankett, dem vollen Programm also. Am 28. und 29. September soll dieser Zirkus stattfinden, vermutlich gefolgt von weiteren Absprachen über Waffenlieferungen an die Türkei und Repressionen gegen die kurdische Bewegung und ihre Unterstützer*innen hierzulande.

Wir sagen: Erdogan not welcome! und schließen uns dem Aufruf der Initiative Erdogan not welcome an, am 29.9. nach Berlin zu fahren und ihnen die Feierlichkeiten zu vermiesen:

„Erdogan ist nicht willkommen!

Ein Diktator kommt nach Berlin – und wird mit allen Ehren empfangen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan wird Ende September erneut um deutsche Unterstützung für seine Kriegspolitik bitten. Es ist abzusehen, dass auch dieses Mal Waffenverkäufe abgesegnet, Kredite zugesagt und Investitionen in der Türkei vereinbart werden. Der Besuch des deutschen Wirtschaftsministers samt 80-köpfiger Entourage Ende Oktober in der Türkei passt da ins Bild. Der Besuch Erdoğans in Berlin wird Anlass zum Protest für all diejenigen sein, die sich in Deutschland und der Türkei für Demokratie, Freiheit und Frieden einsetzen.

Die Liste der Verbrechen des Erdoğan-Regimes ist lang. Weiterlesen

Aktuelle Links spezial – Alle reden vom Wetter. Wir jetzt aus Gründen auch.

Ein Beitrag mit Schwerpunkt auf die Folgen der laufenden globalen Klimakrise in der Region Mittlerer Osten.

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Ein Bild aus dem April 2018 :

„Nach Berichten des regimenahen iranischen Radiosenders Zamaneh sind die Seen in der Provinz Fars vollkommen ausgetrocknet und haben sich in Salzwüsten verwandelt. Nach Angaben des Umweltexperten Eli Ekber Kazemeni sind die Seen aufgrund der Dürre im vergangenen Jahr ausgetrocknet. Auch der 350.000 Hektar große Bachtegan-See, der zweitgrößte See des Irans, befindet sich aufgrund der Trockenheit in einer kritischen Lage. Es wurden aber keinerlei Maßnahmen ergriffen, um den See zu retten. Vor Kurzem berichtete Kemal Pakfitrat, Verantwortlicher für dörfliches Leben für die Provinz Fars, dass von 8.000 Dörfern 4.000 aufgrund der Trockenheit verlassen worden seien. Die Provinz sei mittlerweile praktisch unbewohnbar geworden.“ (…)

Ein Bild aus dem Mai 2018:

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„Seit einer Woche anhaltende heftige Unwetter haben an mehreren Orten in Nordsyrien zu Überschwemmungen geführt. Besonders betroffen war der Stadtteil Botan Xerbî in Kobanê. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind 30 Häuser eingestürzt, bei 90 Prozent der Gebäude kam es zu Sachschäden. Viele Autos wurden von den Wassermassen erfasst und ein Großteil der bestellten Felder wurde zerstört. (…)

Aufgrund des anhaltenden Regens mussten in der vergangenen Nacht mehrere Wohnungen geräumt werden. Dutzende Familien sind immer noch auf der Straße.“ (…)

Und dann, tausende Kilometer weiter nördlich:

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Dieses Foto wurde am 20. Juli in Nordfinnland, nahe des Polarkreises, aufgenommen – bei Temperaturen um die 30 Grad suchen Mensch & Tier Abkühlung, während sich im Hintergrund ein Waldbrand entwickelt.

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„Sie haben´s schon wieder getan“ – oder wie sich der „Weser-Kurier“ einmal mehr selbst zum Propagandaorgan des Erdogan-Regimes macht

Eine Stellungnahme zum Artikel „Ausländerextremismus nimmt in Bremen deutlich zu“ im WK vom 14.07.2018

Es ist zum wiederholten Male bezeichnend, wie die Redaktion dieser Zeitung – hier in Person des verantwortlichen Redakteurs Jürgen Theiner – die eigenen Ansprüche vorgeblich „objektiver und unabhängiger“ Berichterstattung in vielen Fällen ad absurdum führt. In diesem speziellen Wiederholungsfall allerdings ist nicht nur festzuhalten, dass hier klassische „Fake-News“ aka Lügen verbreitet werden, sondern der Artikel auch noch „freundliche Hilfestellung“ bei der Zielauswahl für türkische Nationalisten (bedeutet aktuell: das AKP-Regime) liefert. Die Kritikpunkte im Einzelnen:

Die Grundlage des ganzen Artikels stellt eine „Große Anfrage der CDU-Fraktion“ in der Bürgerschaft vom 29. Mai dar, die sich mit der Überschrift „Sicherheit in Bremen nicht durch ausländische Konflikte und importierten Extremismus gefährden“ (siehe unten) selbst schon als historisch ignorant und parteiisch outet, dazu gleich mehr. Was aber auch kein Wunder ist, wenn man sich die Namen unter der Anfrage betrachtet: denn dort ist u.a. der CDU-Abgeordnete Turhal Özdal als Mitverfasser genannt, den man in diesem speziellen Fall getrost als Bock, der zum Gärtner werden möchte, bezeichnen kann. Die Anfrage der CDU enthält einen Hinweis auf eine Demonstration in Bremerhaven: „So sind beispielsweise im Februar rund 600 Menschen in Bremerhaven auf die Straße gegangen, um die türkische Militäroffensive in Nordsyrien zu unterstützen.“ Mit dabei: Turhal Özdal, rechts im Bild mit türkischer Flagge in der Jacke.

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Die Flagge mit den drei Halbmonden – die Kriegsflagge des Osmanischen Reiches – ist dabei gleichzeitig das Symbol der türkischen faschistischen Partei MHP, auch als „Graue Wölfe“ bekannt.

Özdal hat offensichtlich keinerlei Berührungsängste mit diesen „ausländerextremistischen“ Symbolen – wobei diese Symbole offensichtlich kein Problem darstellen, stehen sie doch für einen „NATO-Partner“, immer noch EU-Beitrittskandidaten und Flüchtlinge-vom-Halse-Schaffer.

Die Demonstration hatte, wie bereits erwähnt, die „Unterstützung der türkischen Militär-Operation in Nordsyrien“ als Ziel. Ein in diesem Fall orwellscher Begriff – „Militär-Operation“ – der sowohl in Anfrage als auch Artikel unhinterfragt benutzt wird. Treffender ist hier die klare Bezeichnung Angriffskrieg – eine selbst nach den herrschenden juristischen Kriterien deutlich völkerrechtswidrige Aktion der Türkei. Einmarsch in einen fremden Staat mit folgender – und andauernder – „ethnischer Säuberung“. Zu diesen Bewertungen siehe z.B. http://www.tagesschau.de/ausland/operation-olivenzweig-103.html und https://www.deutschlandfunk.de/millitaerangriffe-in-afrin-was-die-tuerkei-dort-vorhat-ist.694.de.html?dram:article_id=411482

Die völlig unkritische Übernahme der Propagandasprache des türkischen islamo-faschistischen Regimes sowohl in der Anfrage als auch dem Artikel plus die deutliche Selbstpositionierung eines – und wie wir unterstellen, in diesem Falle des maßgeblichen – Autors der CDU-Anfrage reichen an sich schon aus, um deutlich zu sehen, woher der Wind weht.

Zumal dieser Artikel nicht der erste dieser Art ist und auch nicht das erste Mal mit glatten Lügen, Propaganda und Suggestionen gearbeitet wird. Bereits vor auf den Tag genau fast zwei Jahren hatten Theiner und der WK schon einmal ein ähnliches Thema:

https://sokubremen.wordpress.com/2016/08/18/weserkurier-macht-sich-zum-erfuellungsgehilfen-erdogans/

Wie alle sehen können, hat sich an der grundsätzlichen Linie des WK seit damals nichts verändert. Und wir können auch für alle Kritkpunkte im aktuellen Artikel auf unsere damalige Stellungnahme verweisen – sie ist immer noch gültig und offensichtlich nötig. Was sich bspw. auf Themen wie die angeblichen Straftaten oder die Frage der Finanzierung der kurdischen Bewegung bezieht.

Im aktuellen Fall gibt es aber noch einen besonders perfiden Punkt zu benennen: so ist der Artikel mit einem älteren Bild – von 2014 – illustriert, in dem eine Anzahl kurdischer AktivistInnen mit einer Fahne der YPG und einem Bild von Abdullah Öcalan zu sehen ist. Der Artikel benennt nicht die Tatsachen, dass erstens das Symbol der YPG weiterhin in Deutschland „legal“ ist, und das zweitens zum damaligen Zeitpunkt – 2014 – auch das Zeigen von Öcalan-Bildern keineswegs zu großen staatlichen Aktionen geführt hat. Er erwähnt weiterhin nicht, dass sowohl Symbol als auch Bild erst verstärkt in den letzten beiden Jahren – und zwar sowohl auf Druck des türkischen Regimes, in Form solcher Leute wie Özdal, als auch aufgrund des mörderischen Opportunismus der Bundesregierung zur Zielscheibe deutscher staatlicher Repression wurden.

Wie wir schon in unserem verlinkten Artikel von 2016 ausführlich schrieben: Deutschland ist in diesem (wie auch anderen) Konflikten mit Fug und Recht als Kriegspartei zu bezeichnen. Und sowohl die Anfrage der CDU als auch der Artikel des WK unterstreichen das unfreiwillig einmal mehr.

Aber nochmal zurück zum erwähnten Bild des Artikels: alle abgebildeten KurdInnen sind mit unverpixelten Gesichtern kenntlich. Wenn gleichzeitig der Artikel einen Link zu einem anderen Bericht, nämlich über aufgeflogene Killerkommandos des türkischen Geheimdienstes MIT in Deutschland und speziell Bremen enthält, so verschlägt uns die – freundlich gesagt – böswillige Ignoranz des zuständigen Redakteurs Theiner fast die Sprache. Herr Theiner leistet faktisch freundliche Beihilfe für türkische Nationalisten, die seit Jahren die (nicht nur) kurdische Opposition gegen das AKP-Regime in Deutschland ausspähen und aktiv bedrohen. Was im Extremfall dann zu solchen Aktionen wie oben im benannten Link erwähnten führt.

Und so ergeben Artikel und Bild in diesem Fall mal wirklich eine Einheit, nämlich eine Einheit von historischer Ignoranz, Ahnungslosigkeit, unterwürfiger Staatstreue und der Bereitschaft, sich selbst zum nützlichen Idioten des Erdogan-Regimes zu machen. Touché Herr Theiner, damit haben Sie sich selbst übertroffen!

Kurdistan Solidaritätskomitee Bremen, im Juli 2018


Anmerkungen: Der WK-Artikel findet sich hier:

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-auslaenderextremismus-nimmt-in-bremen-deutlich-zu-_arid,1748934.html

Und die Anfrage der CDU – plus Antwort des Senats – kann hier eingesehen werden:

https://paris.bremische-buergerschaft.de/starweb/paris/servlet.starweb?path=paris/LISSHFL.web&id=PARISFASTLINK&search=DID%3DK-22922&format=LISSH_MoreDokument_Report