Türkei: das faschistische Regime eskaliert den Krieg gegen die kurdische Freiheitsbewegung

Seit dem heutigen frühen Morgen finden türkische Luftangriffe auf kurdische Siedlungsgebiete in Rojava (Nordsyrien) sowie Sengal / Sinjar (im nordestlichen Irak) statt. Seit Monaten liegen Hinweise auf einen großangelegten türkischen Krieg – incl. Einsatz von Bodentruppen – in den benannten Regionen und weiteren Teilen Syriens und Iraks vor, die sich in den vergangenen Wochen verdichtet haben. Auch diverse Äusserungen seitens des AKP-Regimes sowie von Erdogan haben diesen Krieg immer wahrscheinlicher werden lassen. Es ist einmal mehr ein türkischer Versuch, über die militärische Zerschlagung der PKK und aller mit ihr assoziierten Strukturen nicht nur das fantasierte neoosmanische Reich zu erschaffen, sondern auch durch die „Endlösung der Kurdenfrage“ das größte aktuelle Hindernis für die türkisch-imperialistischen Großmachtträume aus der Welt zu schaffen. Und nein, der Begriff „Endlösung“ ist nicht übertrieben – es reicht ein Blick auf das Schicksal der armenischen Minderheit im letzten Jahrhundert. Und es ist vermutlich auch kein Zufall, dass die türkischen Angriffe faktisch unmittelbar nach Ablauf des 24. April begannen. Das Datum steht seit 1915 für den Beginn des Genozids an den ArmenierInnen.

Für den Moment möchten wir zunächst auf einigermaßen verlässliche Informationsquellen hinweisen – in den großen deutschen Medien läuft das Thema unter „ferner liefen“, oder findet einmal mehr gar nicht statt.

„Neues Deutschland“: Rojava – großtürkisches Feindbild

„Der Standard“ (Österreich): Erdoğan bombardiert Kurden in Syrien und Irak

Sehr viel genauer, weil direkt vor Ort in der Region:

lower class magazine: Erdogans neuer Feldzug beginnt

Die heutigen Bombenangriffe lassen für die kommenden Monate unruhige Zeiten erwarten. Erdogan will seine Diktatur nach innen wie außen absichern, sein Hauptgegner dabei ist die kurdische Befreiungsbewegung. Er hat betont: Er will sie „vernichten“. Das weltweite Schweigen zu Massakern wie in den Städten Cizre und Nusaybin im vergangenen Jahr hat ihn ermutigt, dabei keine Rücksicht mehr auf zivile Opfer zu nehmen.

Für aktuellste Infos ist auch unbedingt ihr Twitter-Account zu empfehlen.

Weitere detaillierte Berichte auch bei der Informationsstelle Kurdistan.

Und ein weiterer – englischsprachiger – Twitter-Account, der sehr aktuell berichtet:

A Dunon

In Deutschland wie auch in anderen europäischen Lämdern gab es am heutigen Abend bereits Protestkundgebungen und -demonstrationen, auch in Bremen. Das ist ein Beginn, der aber bei weitem nicht reichen wird. Achtet auf weitere Ankündigungen in den nächsten Tagen und Wochen!

ypj_units26

Berxwedan jiyan e! Widerstand heißt Leben!

Hinweis auf Liveticker zum türkischen Referendum [Update]

Civaka Azad führt seit einigen Stunden einen Liveticker , dessen Schwerpunkt auf den kurdischen Gebieten liegt. Und bereits jetzt lässt sich sagen, dass diese „Wahl“ unter den geschilderten Umständen keine ist.

Update: Die Seite fällt seit einigen Stunden immer wieder aus, unklar ob wg, normalen Kapazitätsproblemen oder aufgrund von DDOS-Angriffen. Wir verweisen auf den Twitter-Account von Civaka Azad.

Aktuelle Links – 10.04.17

Heute: Hungerstreik in türkischen Knästen verschärft sich +++ Britische YPG-Freiwillige: aktiv an vielen Fronten +++ Potentielle Kriegsgefahr: Griechenland und die Türkei in der Ägäis +++ Die kurdische Frage: untrennbar verknüpft mit dem „männlichen Nationalstaat“ +++ Türkei: Auch KünstlerInnen sind jetzt im Visier +++ USA und Daesh (IS) – späte Erkenntnisse +++ Auswirkungen des US-Angriffs in Syrien +++ Sonstiges (u.a. mit Bericht aus Rojava und „Wahlkampf“ in der Türkei vor dem Referendum )

Weiterlesen

In eigener Sache:

Zunächst der Hinweis, dass das nächste Treffen des Solikomitees am Mittwoch, dem 12. April, ausfällt.

*

Und aus gegebenem Anlaß möchten wir nochmals auf ein Projekt hinweisen, welches vor dem Hintergrund des seit 2015 andauernden Krieges in Bakur mit inzwischen geschätzt 500.000 Binnenflüchtlingen, die vom türkischen Staat so gut wie keine Unterstützung erhalten, viel mehr Aufmerksamkeit als bisher verdient. Worum es konkret geht:

Wir als Komitee haben inzwischen selbst eine Patenschaft übernommen, und regen das auch – besonders, aber nicht nur – für andere Gruppen, Wohngemeinschaften oder auch Einzelpersonen, die sich zusammenschließen, an. Das Geld muss dabei nicht direkt bar überwiesen werden, sondern kann auch dem kurdischen Roten Halbmond, Heyva Sor, ganz normal überwiesen werden, der es dann an die Familie(n) weiterleitet.

Mehr Informationen auch hier. Oder fragt uns direkt bei unseren Treffen oder per Mail.