Bombenanschlag in Suruç/Türkei auf sozialistische Jugendorganisation – mindestens 32 tote Zivilist*innen und hundert Verletzte

Getötete Freund_innen

Wir gedenken der bei dem Anschlag getöteten Genoss*innen und sind mit unseren Gedanken und Herzen bei ihren Angehörigen und Freund*innen.

Am 20. 7. sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einer Gruppe von 300 jungen Menschen, die als zivile Unterstützer*innen auf dem Weg nach Kobanê waren, in der türkischen Nachbarstadt Pirsûs (türkisch Suruç) in die Luft, als die Gruppe eine Pressekonferenz in einem Kulturzentrum abhielt. Die Opfer des Mordanschlags waren humanitäre Unterstützer*innen. Sie wollten Hilfsgüter, Bücher und Kinderspielzeug nach Kobanê bringen und die Infrastruktur der Stadt wieder aufbauen. Es gibt bisher 32 Tote und über 100 Verletzte (Stand 21. 7. 10:00 Uhr)

Fast gleichzeitig gab es einen Bombenanschlag an einem Checkpoint in Kobanê, dem zwei YPG-Kämpfer*innen zum Opfer fielen.

Der kurdische Regisseur Garip Çelik, der bei der Veranstaltung zugegen war, um für eine Dokumentation zu filmen, sagte, dass der Bus, in dem er bei der Ankunft in Suruç saß, als einziger nicht von der Polizei durchsucht worden sei. Nach dem Anschlag habe die Polizei, anstatt Hilfe zu leisten, die Verwundeten und Zivilisten angegriffen und geschlagen; Krankenwagen seien erst mit großer Verzögerung eingetroffen.

Kurdische Verbände machen die Verbindungen und das Bündnis der türkischen AKP-Regierung mit dem IS für die Anschlagserie verantwortlich.

Zugleich wurde betont, dass dieser Anschlag der internationalen Solidaritätsbewegung für Kobanê und Rojava gegolten habe, was die Bedeutung der Solidarität erkennen ließe.
(http://en.firatajans.com/kurdistan/karasu-only-peoples-struggle-can-stop-the-dirty-wars-of-akp-and-isis)

Der Vize-Vorsitzende der jüngst bei den türkischen Parlamentswahlen erfolgreichen pro-kurdischen „Demokratischen Partei der Völker“ (HDP), Selahattin Demirtaş, sagte, dass die Region durch starke Überwachungsmaßnahmen der türkischen Geheimdienste abgeriegelt sei. Infolge dessen werde die Übergangsregierung in Ankara für den Anschlag direkt verantwortlich gemacht. (Quelle: http://en.firatajans.com/kurdistan/demirtas-suruc-attack-cannot-be-organized-without-state-support)

Diese mörderischen Anschläge zeigen:

Der IS kann in der Türkei frei agieren und die Kurd*innen und ihre Unterstützer*innen offen angreifen. Angriffe wie dieser und andere in den letzten Wochen (u.a. der Bombenanschlag auf eine große Wahlversammlung vom 5. 6. in Amed/Diyarbakir sowie der neuerliche Angriff und Bombenanschlag auf Kobanê vom 25. und 26.6. mit zahlreichen Opfern und Verwundeten) können nicht ohne die Unterstützung des türkischen Staates stattfinden.

Die türkische Regierung und das Militär sehen den IS nicht als Bedrohung an, sondern bringen ihn gegen die Kurd*innen in Stellung. Obwohl Mitglied in der „Anti-IS-Koalition“, tut der türkische Staat nichts gegen die sich ausbreitenden Aktivitäten des IS in der Türkei und hat den IS bisher nicht einmal als Terrororganisation gelistet. Im Gegenteil spricht Erdoğan davon, dass die YPG, mithin die neue kurdische Gesellschaft von Rojava, eine größere Bedrohung sei als der IS.

Es gibt Pläne für eine türkische Militärintervention in Rojava
In kurdischen Dörfern entlang der syrischen Grenze greift das Militär die Bevölkerung an, offenbar mit dem Ziel, das Grenzgebiet zu entvölkern und zu militarisieren. Gleichzeitig fliegt das türkische Militär trotz Waffenstillstand massiv Luftangriffe gegen die PKK im Osten der Türkei. Täglich führt der türkische Staat Razzien und Verhaftungen gegen kurdische Aktivist*innen durch – auf der Grundlage so
genannter Anti-Terror- und Sicherheitsgesetze. In Istanbul griff die Polizei eine Demonstration gegen die Anschläge von Suruç mit Tränengas und Wasserwerfern an. Auch die „Vorkehrungen gegen den Terrorismus
im Inneren wie im Äußeren“, die Ministerpräsident Davutoğlu nach dem Massaker ankündigte, werden sich v. a. gegen die kurdische Bewegung und jede andere Opposition wenden. Die Äußerung klingt auch nach einem Vorwand für die von der Türkei geforderte „Pufferzone“ entlang der syrischen Grenze, wo seit Wochen türkisches Militär direkt vor den Toren von Rojava zusammengezogen wird.

Der Wiederaufbau von Kobanê findet unter extrem schwierigen Bedingungen statt – Rojava braucht internationale Anerkennung und Unterstützung!

Für uns, die wir eine freies und selbstbestimmtes Leben für alle Menschen anstreben, bedeutet das:

  • Die immer offenere Unterstützung des IS durch die Türkei muss öffentlich gemacht und skandalisiert werden!
  • Es muss internationaler Druck auf die Türkei ausgeübt werden, den IS in der Türkei wirksam zu bekämpfen und nicht, wie bisher, zu unterstützen!
  • Rojava braucht internationale Anerkennung und einen humanitären Hilfskorridor für den Wiederaufbau von Kobanê!
  • Keine türkische Intervention in Syrien!

Für eine Verbesserung der Situation der kurdischen Bevölkerung auf allen Ebenen braucht es solidarischen Druck von der Straße!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s